Cybersecurity in industriellen Datenräumen stärken: Fraunhofer AISEC und IOSB sind Security-Partner für den sicheren Datenaustausch bei Semiconductor-X
Im vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) geförderten Projekt Semiconductor-X entwickelt ein Industriekonsortium rund um Intel, Infineon, Siemens, SAP und Bosch bis September eine gemeinsame Datenraum-Infrastruktur für die Halbleiterfertigung. Die Fraunhofer-Institute für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC und für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB sind nun dem Konsortium als Cybersecurity-Partner beigetreten und entwickeln eine Roadmap für sichere Datenräume. Ziel ist, dass Unternehmen sensible Produktions- und Prozessdaten sicher entlang der Wertschöpfungskette austauschen können. Die Ergebnisse sollen auch andere
Manufacturing-X-Initiativen unterstützen.
Garching bei München, 29. Juni 2026 – Industrieunternehmen vernetzen Maschinen, Standorte und Partner entlang von Wertschöpfungsketten – doch die Cybersecurity hinkt oft hinterher. Genau vor dieser Herausforderung stehen auch die Manufacturing-X-Projekte, die aus Gaia-X hervorgegangen sind. Ein Beispiel ist das Halbleiter-Projekt Semiconductor-X: Es soll den beteiligten Unternehmen in der Wertschöpfungskette ermöglichen, Nachhaltigkeits-, Produktions- oder Prozessdaten über einen Datenraum sicher und vertrauenswürdig auszutauschen.
CRA und NIS-2: Roadmap für sichere industrielle Datenräume
Da die Rollen der Unternehmen und die Schutzinteressen je nach Art der Daten sehr unterschiedlich sind, sollen die jeweiligen Dateneigner die Regeln zur Nutzung der Daten festlegen und kontrollieren können. Deshalb bilden maschinenlesbare Datennutzungsverträge die Grundlage für den Datenaustausch. Um angemessene Sicherheitsgarantien zu geben, gilt es, die Durchsetzung dieser Verträge durch technische Maßnahmen zu unterstützen. Gerade bei hochsensiblen Daten erfordert dies fortgeschrittene Sicherheitsmechanismen, etwa die Absicherung der verwendeten Software-Stacks mittels Konzepten des Trusted und Confidential Computing.
Auch der europäische Rechtsrahmen fordert die proaktive und risikobasierte Betrachtung von Cybersecurity. Der Cyber Resilience Act (CRA) stellt verpflichtende Anforderungen an Hersteller bzw. Entwickler von Konnektoren oder Gateways, während die NIS-2-Richtlinie verpflichtende Vorgaben für die Betreiber föderierter Dienste oder gehosteter Konnektoren macht. Gemeinsam mit den bisherigen Semiconductor-X-Partnern erarbeiten die Forschenden von Fraunhofer AISEC und IOSB eine Roadmap für sichere industrielle Datenräume. Dafür identifizieren sie insbesondere offene Flanken und blinde Flecken, die für den industriellen Einsatz noch geschlossen werden müssen.
Die Forschenden entwickeln zudem Spezifikationen für Datenraum-Gateways zur Verarbeitung von Daten unterschiedlicher Kritikalitätsstufen, sowie Konzepte für eine Datenraum-Governance, wie Prozessen für das Onboarding von Datenraumteilnehmern und deren Zertifizierung. Weitere Schwerpunkte bilden Guidelines für die sichere Entwicklung und den sicheren Betrieb von Komponenten und Diensten. Ziel ist die Erarbeitung von Kontext-unabhängigen Ergebnissen, um eine direkte Übertragung auf andere Manufacturing-X-Kontexte zu ermöglichen. Unternehmen erhalten damit praxisnahe Orientierung, wie sie ihre digitalen Ökosysteme von Beginn an sicher aufsetzen können.
Pressekontakt:
Tobias Steinhäußer | Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC
Lichtenbergstraße 11 | 85748 Garching bei München | Telefon +49 89 322 9986-170 | presse@aisec.fraunhofer.de
Mehr Info
Semiconductor-X E2E-Security auf einen Blick
- Ziel: Sicherer Datenraum für Halbleiterfertigung und -lieferketten
- Partner u. a.: Intel, Infineon, Siemens, SAP, Bosch, Fraunhofer AISEC, Fraunhofer IOSB
- Laufzeit: bis Herbst 2026
- Förderung: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE)
Die Rolle von Fraunhofer AISEC und IOSB
- Entwicklung einer Security-Roadmap für sichere industrielle Datenräume
- Sicherheitskonzepte für Betreiber, Teilnehmer und Gateways/Konnektoren
- Identifikation offener Sicherheitslücken und Handlungsempfehlungen
- Koordination mit anderen Datenrauminitiativen
Über die X-Projekte
- Ursprung in Gaia-X: vernetzte, souveräne Daten- und Cloud-Infrastrukturen
- Manufacturing-X Initiative: Digitalisierung industrieller Wertschöpfungsketten und Transfer der Ergebnisse in verschiedenen Branchen
- Beispiele: Catena-X (Automobil), Aerospace-X (Luftfahrtindustrie), Chem-X (Chemieindustrie), Semiconductor-X (Halbleiter) etc.
Glossar
- Gaia-X: Europäisches Projekt zur Schaffung einer sicheren, souveränen und offenen digitalen Infrastruktur.
- Datenraum: Organisatorischer und technischer Rahmen, in dem mehrere Unternehmen Daten nach gemeinsamen Regeln sicher und kontrolliert dezentral und datensouverän austauschen.
- Gateway/Connector: Sicherer Software-Baustein an der Unternehmensgrenze, der Datenzugriff, Policy-Prüfung und Protokollierung im Datenraum steuert.
Kurzprofil Fraunhofer AISEC
Das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC ist eine der international führenden Einrichtungen für angewandte Forschung im Bereich Cybersicherheit. Etwa 230 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten an maßgeschneiderten Sicherheitskonzepten und Lösungen für Wirtschaftsunternehmen und den öffentlichen Sektor, mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit von Kunden und Partnern zu verbessern. Dazu zählen Lösungen für eine höhere Datensicherheit sowie für einen wirksamen Schutz vor Cyberkriminalität wie Wirtschaftsspionage und Sabotageangriffe. Das Kompetenzspektrum erstreckt sich von Embedded und Hardware Security, über Automotive und Mobile Security bis hin zu Sicherheitslösungen für Industrie und Automation. Zudem bietet das Fraunhofer AISEC in seinen modernen Testlabors die Möglichkeit zur Evaluation der Sicherheit von vernetzten und eingebetteten Systemen, von Hard- und Software-Produkten sowie von Web-basierten Diensten und Cloud-Angeboten.